Am Neuen Treibschacht

Vor 1790 gewannen die meisten Rammelsberger Gruben das Erz bereits mehrere Jahrzehnte lang in alten Feldern. Die Erträge waren mäßig, daher schlug Johann Christoph Roeder, damals noch Bergvogt, den Berghauptleuten vor, eine neue Sohle auszurichten, die über einen neu abzuteufenden Schacht erschlossen werden solle. Dieser solle 80 Lachter (rund 150 Meter) westlich vom Kanekuhler direkt in ein neues Baufeld abgesenkt werden. Im August 1790 wurde mit den Teufarbeiten begonnen; schon nach einem Jahr und 13 Wochen, im Oktober 1791, waren sie beendet und der Schacht 136 Lachter niedergebracht. Das war nur möglich, weil von zeitweise 11 Punkten aus abgeteuft oder heraufgebrochen wurde. Da der Schacht nicht nur zur Förderung, sondern auch der Wasserhaltung diente, erhielt er den gleichermaßen schlichten wie zutreffenden Namen Neuer Treib- und Kunstschacht. Mitte 1792 wurde auch er an die übertägige Kanekuhler Treibkunst angeschlossen, deren Verbindung mit dem alten Serenissimorum Schacht mittlerweile abgeworfen war.

Die Katastrophe ereignete sich im März 1800. „Am 13. dieses [Monats] ist von dem OBM Röder die Anzeige geschehen, daß in der verwichenen Nacht im neuen Treibschachte, und zwar im Fahrschachte einige Lachter unter Tage Feuer ausgebrochen sey und daß er dem Feuer nicht anders habe können Einhalt thun lassen als mit Zubühnen des Schacht am Tage und von der neuen Forderstrecke ab. Als darauf am heutigen Tage des Morgens um 6 Uhr bey dem Herrn Zehntner Meyer die Nachricht eingelaufen ist, daß die Bühne im Schachte Feuer fallen lasse, hat derselbe sogleich einen Expressen zu Pferde an des Herrn Vice-Berghauptmann von Meding Hochwohlgebohrnen abgefertigt und um Hülfe vom Oberharze nachgesucht.“

Mit Hilfe der Oberharzer wurde versucht, den Brand einzudämmen und das Feuer zu ersticken. Aus Clausthal herbei gebrachte Wasserspritzen leisteten zwar gute Dienste, doch nicht im erwünschten Umfang, da der Ansatzpunkt des Schachtes weitab vom Herzberger Teich und anderen Gewässern lag.

Sechs Wochen dauerte es, bis der Brand, der trotz zahlreicher Dämmversuche immer weiter schwelte, erstickt werden konnte. Menschen kamen bei dem Unglück nicht zu Schaden, doch war der obere Bereich des Schachtes mitsamt der dortigen Pumpen völlig ausgebrannt, und auch das Gestänge, das vom untertägigen Kunstrad – dem späteren Unteren Kunstrad des Roeder-Stollens – war zerstört, so dass die Grubenwässer unaufhörlich stiegen. Deren Wältigung zog sich noch bis ins Frühjahr 1801 hin.

An eine Aufwältigung des Schachtes war wegen der Brüchigkeit des ausgeglühten Gesteins nicht zu denken, und so ließ Roeder ein weiteres Mal einen neuen Schacht abteufen – nur wenige Meter vom alten entfernt und als Blindschacht. Auch dieser trug bald den Namen seines „Vorgängers“. Besucher des Rammelsberges lernen ihn als Neuen Serenissimorum Tiefsten Treib- und Kunstschacht kennen. In der untertägigen Kehrradstube, die 1805 auf ihn ausgerichtet und fertig gestellt wurde, ist noch immer ein originales Kehrrad aus dem 19. Jahrhundert zu besichtigen.







VERLÄNGERT!
09.11.2014

Unsere diesjährige Sonderausstellung "Perspektiven des Welterbes" sollte eigentlich am 26. Oktober 2014 Wochenende zu Ende gehen.
Allerdings haben wir uns aufgrund des regen Besucherinteresses entschlossen, die Ausstellungdauer um zwei Wochen zu verlängern.
Sie endet somit erst am 9. November zeitgleich zu dem Ende der Herbstferien in Niedersachsen und Bremen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Preis:
7,00 €
Kinder 4,00 €
 
Veranstaltungskalender
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